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Der «Kassensturz» berichtete.
Asbest: Krebsgefahr für Elektriker

In vielen Häusern sind immer noch asbesthaltige Schalttafeln installiert. Elektriker müssen darauf Stromzähler oder Sicherungen montieren und setzen sich damit einem tödlichen Risiko aus.

So auch Elektriker Christian Loder. Im Auftrag der Energie Wasser Bern EWB kontrolliert und installiert er Stromzähler auf asbesthaltigen Schalttafeln.
Lange Zeit wusste Loder nichts von der Gefahr. Das änderte sich, als er auf einen Kunden traf, der solche Eternit-Tafeln früher herstellte: «Als er mir sagte, er sei der Einzige gewesen, der in dieser Firma pensioniert wurde, alle anderen seien an Brustfellkrebs gestorben, da ist mir ein Licht aufgegangen».

Leichtgebunder Asbest Bild:Kassensturz

Bild links: Schwachgebunder Asbest in Leichtbauplatten, hier an der Innenverkleidung eines «Eternit-Tableaus».
Die Asbestfasern werden schon bei Berührung oder Luftzug freigesetzt!

Bild rechts: Alte Schalttafel (vom Boden herauf fotografiert) die Platten sind aus asbesthaltigen Faserzementplatten hergestellt, diese Variante hat keinen Holzrand (enthält kein schwachgebunder Asbest).
Der Asbest in Faserzementplatten ist in der Regel festgebunden, wird also nur bei Bohren und Feilen freigesetzt.

Asbest-Tableau Bild:Kassensturz

Die Asbestfasern sind in den Platten gebunden. Wenn die Handwerker darauf bohren und feilen, setzt sich der gefährliche, asbesthaltige Staub frei.

Gemäss einer Suva-Statistik sind in der Schweiz bis heute 977 Menschen am Kontakt mit Asbestfasern gestorben. Die Dunkelziffer dürfte weit höher sein. Obwohl die gefährliche Wirkung schon Jahrzehnte bekannt war, wurde Asbest in der Schweiz erst 1991 verboten. Eine mögliche Folge von Asbestkontakt ist Brustfellkrebs, der fast immer tödlich verläuft, wie Lungenspezialist Karl Klingler von der Hirslanden-Klinik in Zürich erklärt:

«So ein Mesotheliom entsteht, indem die feinen Asbestfasern die Lunge durchwandern und danach an der Oberfläche der Lunge stecken bleiben. Bei jedem Atemzug über 20 bis 40 Jahre reiben diese Fasern an der Lunge, was irgendwann zu einer bösartigen Entartung der Zellen führt».

Obwohl Christian Loder seinen Arbeitgeber , Energie Wasser Bern, mehrmals auf die Asbest-Gefahr hinwies, unternahm die EWB lange Zeit nichts. Die Elektroenergieunternehmen hätten sich immer dem jeweilig aktuellen Wissensstand angepasst, sagt Heinz Flück, Sicherheitsbeauftragter der EWB. «Zusätzlich haben wir unsere Mitarbeiter zusammen mit dem Suva-Arzt informiert, er hat ihnen aufgezeigt, dass die Gefahren an Asbest zu erkranken, gering sind». Trotzdem will die EWB ihre Mitarbeiter in Zukunft noch gezielter schützen und informieren. Denn die Suva hat im Auftrag des EWB Messungen durchgeführt und sehr wohl eine Gefährdung der Monteure festgestellt. Die Elektriker sollen deshalb in Zukunft bei ihrer Arbeit an solchen Schalttafeln Staubmasken tragen. Ausserdem will die EWB die asbesthaltigen Zählerbretter auswechseln. Sie gehen damit weiter als andere Elektrizitätswerke.

Für Christian Loder hat die Gefahr ein Ende. Er wird aufhören, als Zählermonteur zu arbeiten, aber: «Ich weiss nicht, ob ich krank werde. Ich hab das Asbest in mir - ob die Krankheit ausbricht, weiss ich aber frühestens in 15 Jahren». Dass diese Gefahr besteht, beweist ein Elektriker, der aus Angst vor Ausgrenzung lieber anonym bleiben möchte. Er arbeitete jahrelang ohne Schutzmaske an asbesthaltigen Schalttafeln. Vor ein paar Monaten erhielt er die Diagnose Brustfellkrebs: «Im ersten Moment war das ein grosser Schock. Ich habe jetzt Chemo. Es geht mir besser, aber weggehen wird die Krankheit nicht».

Natürlich könne man immer noch mehr Prävention und Aufklärungsarbeit leisten, meint der Sicherheitsingenieur Christian Weber von der Suva in Basel. Die Suva ist für die Kontrolle der Arbeissicherheit zuständig. Sie informiere mit Broschüren, Internetauftritten und sei aktiv in Firmen und Verbänden, sagt Weber. «Aber man muss einfach sehen, dass der Asbest nicht die einzige Gefährdung ist, die wir in unserem Aufgabengebiet bearbeiten,» so Weber weiter.

Die Firma Eternit schreibt Kassensturz in einer Stellungnahme, dass sie nicht beurteilen könne, ob die im Beitrag erwähnten Schalttafeln tatsächlich von Eternit hergestellt wurden. Es bestünden aber klare Vorschriften über den Umgang mit alten, asbesthaltigen Eternit-Produkten.

(Kassensturz vom 28.11.2006)

Original-URL: http://www2.sf.tv/sf1/kassensturz/sendung/beitrag.php?beitragid=1372

 



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